Vertrauen

Vertrauen und Angst

Vertrauen im Leben  ist eine Voraussetzung ohne welche nichts geht. Vertrauen ist etwas persönliches, weshalb wir fragen können wie weit es objektiv, also realitätsbezogen ist. Vertrauen im religiösen Sinn ist subjektif, denn es ist für Menschen anderer Glaubensrichtung nicht unbedingt, oder meist überhaupt nicht, nach vollziehbar

Mit dem „Vertrauen zum Leben“ rücken wir der Objektivität etwas näher, denn auf Grund persönlicher Erfahrung kann jemand ohne weiteres sagen, dass ihm das Leben unschöne Zwischenfälle nicht aus. Trotzdem kann ein aussen Stehender „objektiv“ sagen, dass die Chancen gut sind dass diese Person weiterhin auf Erfolgskurs bleiben wird.

Bei sehr spezifischen Unternehmen wie z.B. Sport kann Vertrauen einen praktisch objektiven Charakter annehmen. Ein versierter Jongleur oder langjähriger Golfspieler weiss einfach was er kann und hat deshalb das entsprechende Vertrauen.

Was auch immer wir im Leben unternehmen ist eine Mischung aus jenem subjektiven und objektiven Vertrauen. Das subjektive Vertrauen basiert oft auf unterbewussten Wunschvorstellungen, das objektive Vertrauen basiert auf der Erfahrung von guten Ergebnissen, also auf Wahrscheinlichkeit. Weder das eine noch das andere wiederspiegeln deshalb die Realität. Dazu kommt, dass die Realität selber subjektiv ist, denn wir definieren Realität nicht als das was ist, sondern als das was wir wahrnehmen (was wir nicht wahrnehmen ist ausserhalb unserer Realität).

Vertrauen nimmt, was deren Realitätsbezug angeht, eine Sonderstellung ein. Vertrauen, gleich ob es subjektiv oder objektiv sei, hat die Eigenheit dass wir eine Aufgabe mit einer positiven, angstfreien und konstruktiven Einstellung angehen, welches unsere Erfolgschancen ungeachtet der Umstände steigen lässt.

Angst ist Ausdruck einer Ungewissheit die am Ende unangenehmes oder schlimmes sieht. Angst geht vom leisen Unwohl sein über Schiss bis zur Panik. Angst wird oft als Schutzmechanismus unseres Überlebens angeschaut, was in gewissen Fällen sicher zutreffen mag, doch oft geschieht es, dass wir aus Angst falsche Entscheidungen treffen. Unwohl sein soll uns darauf hinweisen, dass wir uns in einen Gefahrenbereich begeben. Wir sollten jetzt nicht einfach zurück gehen noch weiter vorwärts, sondern die Situation emotional und analytisch beobachten und darauf bauend eine Entscheidung treffen. Wenn ich davon überzeugt bin, dass ich die Situation beherrschen lernen kann, gehe ich weiter. Dies ist natürlich nur insoweit möglich, als ich als Herr der Lage den Fortschritt kontrollieren kann. In einer grossräumigen, wirtschaftliche Krisensituation beispielsweise sind mir die Hände weitgehend gebunden und eine aufkommende Angst kann zu psychologischen Störungen und Fehlverhalten führen, denn wir sind wie ein Tier welches in die Enge gedrängt wird und verzweifelt kämpft.

Dasselbe kann auch geschehen wenn jemand auf den Skis steht und Angst vor einem sanften Hang hat. Diese Leute haben manchmal das Gefühl sie könnten ins Tal runter fallen. Wenn sie dann auf den Hintern sitzen und „erfahren“, dass es nicht weiter rutscht sind sie etwas beruhigt und können objektiv und rational sagen, dass von dieser Seite her keine Gefahr droht. Trotzdem ist die Angst noch meist hier, denn diese ist irrational. Manchmal kommt noch die Gefahr vom „sich Verletzen“ oder sonst ein anderer mit ins Spiel, Faktoren die meistens irrational sind.

Mit objektiver Gefahr kann jeder umgehen. Niemand geht ohne entsprechende Vorkehrungen eine Gebirgswanderung machen. Wer aber schon bei dessen Gedanken ein mulmiges Gefühl (wegen Höhenangst) in der Magengegend bekommt, der reagiert irrational, diese Angst hingegen ist real. Ein Bild dazu: Stellt euch vor im Traum mit einem gefährlichen Tier zusammen in einem Käfig eingeschlossen zu sein. Dies ist die Angst die von einem Skischüler oben an einer blauen Piste erlebt werden kann!

 

Verlorenes Vertrauen

Der Mensch ist von Natur aus neugierig. Wäre er dies nicht bliebe er nach seiner Geburt introvertiert und misstrauisch. Diese Neugier ist eine der Gründe unserer Entwicklung im Kindesalter. Körperliche und mentale Erfahrungen formen das Gehirn, welches daraufhin wieder die Entwicklung von Körper und Hirn beeinflusst. Je älter wir werden, desto weniger kann unser Gehirn neue Synapsen (Nervenverbindungen) herstellen. Diese gegenseitige Einflussnahme nimmt nach dem Kindesalter rapide ab, doch sie hört nie auf und kann bei Erwachsenen sogar noch gefördert werden.

Irrationales Verhalten entsteht auf Grund nicht (Lebens-)fördernder Strukturierung. Irrationales Verhalten endet oft mit schlechten Ergebnissen, ist dem Leben also wiederum nicht Förderlich, und dieses Ergebnis fördert einen negativen Kreislauf. Einem kleinen Kind dem von seiner Mutter ständig gesagt wird “pass auf hier“, „pass auf dort“ wird beinah zwangsläufig ängstlich, denn die Mutter ist in den ersten Lebensjahren DIE Referenzperson  und der einzige Halt dem das Kind wirklich vertrauen kann, oder besser gesagt muss. Die Mutter muss aus ebendiesem Grund recht haben. Zweitens kann sich, wenn einfach alles „gefährlich“ ist, keine klare Struktur mit einer Gefahrenskala dieser Welt herausbilden, an deren sich das wachsende Kind orientieren könnte. Es verwechselt als Erwachsener reale Gefahren mit irrationalen Gefahren. Der Intellekt hilft einer solchen Person leider nichts, da sie tendieren den emotionalen Faktor zu bevorzugen und den rationalen Faktor nur dazu gebrauchen die Angst zu rationalisieren, d.h. mit intellektuellen Kunstgriffen und Verdrehungen ihre Angst als richtig zu untermauern. Seien wir uns auch klar darüber, dass solches  irrationales emotionales Fehlverhalten nicht durch den Intellekt  korrigiert werden können, das Vertrauen muss auf emotionaler und erlebender Basis wieder erarbeitet werden.

 

Vertrauen erarbeiten

Als Skilehrer müssen wir unseren Kunden Vertrauen einflössen. Am besten geht dies über den persönlichen Kontakt. Mir hat mal jemand erzählt wie er im Skischulburo gehört habe dass eine Kundin, auf die Photos der Skilehrer schauend, gesagt hat: „Ich will nicht den Skilehrer mit den langen Haaren ,denn ich bin sicher der bringt mich an gefährliche Orte“ (ich war dabei gemeint). Dies heisst, dass ich abgesehen von solchen vorgefassten Meinungen, unter Umständen sehr schnell das Vertrauen der Kunden in mich aufbauen muss! Dies ist nicht unbedingt einfach, aber ohne weiteres möglich und auch erlernbar.

Unsere Kunden stehen in einer für sie neuen Situation, einer fremden Person gegenüber. Um ihre „integrität“ zu bewahren, bleiben viele Leute ein wenig auf Distanz. Das heisst, dass wir ihnen bei der Begrüssung zum Beispiel nicht zu nahe treten. Wer hat es nicht schon erlebt, wenn relativ fremde Leute auf Ellen Länge Distanz mit uns geredet haben und wir vergebens versucht haben die Distanz etwas zu vergössern? Die Distanz zum Hände schütteln ist für die meisten Menschen gerade gut um anzufangen. Bei Kindern ist dies noch wichtiger, denn wir sind für sie Riesen. Oft geschieht es auch dass ein Kind sagt, es möchte mit einer Frau Ski fahren. Warum? Frauen sind eben weniger invasif und sanfter als Männer, was auch Kinder spüren. Hat ein Kind Vertrauen gefasst, hat es oft nicht einmal mehr  Hemmungen seinen Skilehrer bei der Begrüssung umarmt.

Die Sonnenbrillen sehen zwar cool aus, doch unsere Augen bleiben dahinter meist verborgen. Die Augen sind ein wichtiger Faktor zur Kontaktaufnahme. Wir stehen zwar in einer „Meister-Schüler-Beziehung“, aber menschlich sind wir auf dem gleichen Niveau, dürfen und müssen also diesen Kontakt suchen. Es ist besonders wichtig, dass unsere Kunden UND wir diese Möglichkeit haben. 

Wenn wir Lächeln oder lachen sollte dies „ehrlich“ sein, das ganze Gesicht, der ganze Mensch muss dies ausstrahlen. Wenn uns als Skilehrer mal nicht zum Lachen zu Mute ist, lassen wir es besser bleiben, denn Unehrlichkeit kommt bei den meisten Menschen immer irgendwie rüber. Klar, an so einem Tag ist unsere Arbeit etwas schwieriger, da wir mental nicht auf der Höhe sind, aber zu viel schauspielern ist dem Unterricht sicher auch nicht zuträglich.

Vertrauen einflössen heisst unter anderem dass wir Vertrauen in uns selber haben und dies weiter geben können. Technisch muss ich über dem Niveau meines Schülers sein, aber ich muss dieses Können vor allem weiter geben können. Mit zunehmender Erfahrung kenne ich mehr Tricks, was mein Vertrauen in das Erreichen meiner Ziele verbessert. Irgendeinmal erreiche ich den Punkt wo es keine „Problemkunden“ welcher Hinsicht auch immer mehr gibt; ich weiss, dass ich allen Aufgaben gewachsen bin. Dies heisst aber auch, dass ich mich ständig aktiv darum bemühen muss, technisch sowie didaktisch auf der Höhe zu bleiben.

 

Angst verkleinern

Eines der Hauptprinzipien beim Lehren ist: vom einfachen zum schwierigeren. Wir müssen den Schüler in ihm angemessenen Schritten zu schwierigeren Aufgaben führen die er meistern lernt. Wenn wir die Zwischenziele zu hoch gesteckt haben müssen wir einen Schritt zurück kommen, denn sonst haben wir am Ende nur Frustration oder wieder Angst.

Zur Überwindung von Angst müssen wir den Schüler langsam an seine Grenzen führen, etwas darüber hinaus und wieder zurück in die „Komfort-Zone“. Auf diese Weise lernt er seine Grenzen unter Führung zu überschreiten und ohne Schaden wieder zurück zu kommen. Dieses zurückkommen, also mit Erfolg aus der Gefahrenzone zurück gekommen zu sein, ist enorm wichtig, denn sie zeigt dem Schüler, dass die Gefahr nicht permanent ist, sondern zeitlich begrenzt. Auch wenn er intellektuell erkennt, dass der Hang nur kurz ist und am Ende eine flache Ebene auf ihn wartet, nützt ihm dies nichts, er muss erleben dass er ihn Stück für Stück meistern kann!

Der Schüler muss sich auf das konzentrieren was für die korrekte Ausführung der Übungen wesentlich ist. Dies heisst sich auf Zwischenziele (z.B. Pflugdrehen) konzentrieren und nicht auf das Endziel (parallel Schwung). Ein Klassiker unter den Fehlern ist, ein Hindernis zu fixieren um es zu vermeiden. Dabei zieht dieses Hindernis wie magisch an, da man sich darauf konzentriert anstatt auf dessen Vermeidung. Sicher muss man die Gefahr erkennen, doch dann muss man sich auf die Lösung konzentrieren, wie man die Gefahr vermeiden kann.

Viele Schüler schauen immer auf ihre Skis. Sie wollen damit sicher stellen, dass diese immer am richtigen Ort seien. Die Idee ist gut, aber die Lösung schlecht! Der Schüler bleibt auf einen kleinen Punkt in sich konzentriert, womöglich auf seine Angst und nimmt seine Umwelt nicht mehr war. Sobald er auf schaut und die Umwelt in sich dringen und wirken lässt, seinen ganzen Körper fühlt, verliert er langsam seine Angespanntheit. Er kann lernen zu erfühlen wo sich seine Skispitzen befinden, womit er Kapazitäten für andere Aufgaben frei macht.

Wichtig für viele ängstliche Leute ist, dass wir immer nah bis sehr nah bei ihnen bleiben. Wir geben ihnen physisch Sicherheit. Zögere auch nicht jemanden an der Hand zu nehmen um sie/ihn an einer schwierigen Stelle zu begleiten (Höchstens ein eifersüchtiger Partner könnte uns von dieser Handlung abhalten). Das Ziel ist unsern Schüler irgendeinmal in die Unabhängigkeit entlassen zu können, was aber erst möglich ist, wenn er seien Angst in alltäglichen Situationen durch Freude ersetzt hat.

Erinnern wir uns an das in die Enge gedrängte Tier. Es möchte flüchten. Dasselbe geschieht mit einer Person die von Angst oder gar Panik ergriffen wird, Sie möchte fliehen und tut dies auch wenn wir ihr die Gelegenheit bieten. Beim Tauche ist das ein Grund vieler tödlicher Unfälle, denn der Taucher flieht ungeachtet seines besseren Wissens der scheinbar rettenden Oberfläche zu und begibt sich in Lebensgefahr (Blasenbildung im Blut).

Glücklicherweise haben wir nicht diese enorme Verantwortung beim Ski Unterricht, aber wir können uns dieses Verhalten zu Nutze machen! Lassen wir es doch zu dass die Leute ein Bisschen fliehen können. Bei extremer Anspannung oder Angst kann der Körper zu zittern beginnen. Indem wir rennen, können wir diese Spannung abbauen. Also Ski ausziehen, rennen, eine Schneeballschlacht machen, im Tiefschnee herum tollen oder sonst etwas machen das  der Situation angepasst scheint.

Kinder fliehen manchmal auch mit Hilfe einer Ausrede:“ Ich muss auf die Toilette“. Sie wissen, wenn ich sie nicht lasse riskiere ich dass sie in die Hose machen, und sie mir dadurch „unabsichtlich“ das Leben schwer mache. Ich gehe grundsätzlich auf die Toilette, denn war es nur eine Ausrede so diente sie dazu, der Angst einen Moment zu entfliehen. Wichtig ist die Schüler in eine Atmosphäre zu versetzen wo sie die Situation für einen Moment vergessen und sich entspannen können. Dies kann auch ein Gespräch während einer Pause sein, auf der Piste oder im Restaurant. Wenn der Schüler von alleine beginnt übermässig zu reden, ist dies meist ein Zeichen von Angst, also höchste Zeit Gegenmassnahmen zu ergreifen.